Sie befinden sich hier: Presse / Pressemitteilungen / Zur Diskussion um den Neubau einer Schwimmhalle
26.08.2019

Pressemitteilung der Fraktion Bürgerbündnis/ProBockwurst, den 18. Februar 2015

Zur Diskussion um den Neubau einer Schwimmhalle für Ilmernau

Die derzeitige Diskussion um eine neue Schwimmhalle für Ilmenau wirkt häufig so, als wäre ein Neubau bereits beschlossene Sache. Dem ist jedoch nicht so. Die Aussagen des Oberbürgermeisters beim Neujahrsempfang lassen das Projekt als „alternativlos“ erscheinen, als gälte es nur noch die Details zu klären und für die Finanzierung den entsprechenden Kredit aufzunehmen.

Die Fraktion BBW möchte dieser Wahrnehmung entgegentreten und einige Punkte zur Diskussion beitragen:

Aktuell ist die Situation so, dass die Schwimmhalle „Am Stollen“:

  1. nach wie vor funktioniert
  2. in ihrer Bausubstanz sanierungsbedürftig, aber keinesfalls akut gefährdet ist.
  3. mit einer entsprechenden Investition auch für die nächsten 25 Jahre betriebsfähig bleiben kann.

Dazu bemerkt der Fraktionsvorsitzende Daniel Schultheiß: „Diese Informationen liegen uns in einem Gutachten, das die Stadtverwaltung in Auftrag gegeben hat, vor. Weitere Aussagen zu möglichen Fördermitteln, Standorten, Baukosten und einer vermeintlichen akuten Gefährdung der bestehenden Halle sind reine Spekulation.“ Es besteht also derzeit aus Sicht der Fraktion BBW kein dringender Bedarf für einen übereilten Neubau. Mit neuen Erkenntnissen kann sich diese Sicht u.U. ändern.

Norbert Zeike formuliert aus Sicht des Bürgerbündnisses sogar noch deutlicher:

Wir halten es für sinnvoller, die Schwimmhalle noch einmal zu sanieren. Ein Neubau sollte dann in etwa 10 bis 15 Jahren angegangen werden: langfristig geplant, mit einen einem ausgereiften Konzept und einer soliden Finanzierung. Wir fordern darum alle Beteiligten auf, in Ruhe zu überlegen und zu diskutieren. Die Entscheidung ‚Neubau oder Sanierung‘ muss mit der nötigen Sorgfalt, nach reiflicher Überlegung, fachlicher und inhaltlicher Diskussion und vor allem nach einer realistischen Analyse der Kosten für beide Varianten gefällt werden. Den aktuell erzeugten Zeitdruck bei diesem Thema halten wir für kontraproduktiv.“

Zum Hintergrund:

Auslöser der aktuellen Diskussion ist ein Gutachten vom August letzten Jahres, das die Stadtverwaltung in Auftrag gegeben hat. Darin wird die 1988 gebaute Schwimmhalle „Am Stollen“ auf ihren baulichen Zustand und die möglichen Perspektiven für die Zukunft untersucht. Dieses Gutachten kommt zu dem Schluss, dass sich der aktuelle Zustand mit einer Investition von etwa 4,4 Mio Euro für die nächsten 25 Jahre erhalten lässt. Die Kosten entstehen durch verschiedene nötige Baumaßnahmen, Ertüchtigungen, Korrosionsschutz und Erneuerung der Technik. Das Gutachten enthält die notwendigen Details.

Die Schwimmhalle wurde seit 1991 in regelmäßigen Abständen saniert, das letzte Mal 2013, als Dach und Außenwände erneuert wurden. Es ist tatsächlich normal, dass eine Schwimmhalle ständig gewartet werden muss. Das Gebäude ist zur Hälfte mit Wasser gefüllt und im Innenraum herrscht ständig hohe Luftfeuchtigkeit – das macht jeder Bausubstanz zu schaffen.

Die Kosten für einen Neubau werden derzeit auf etwa 10 bis 12 Mio Euro geschätzt, es gibt dazu noch keine genauen Analysen und Planungen. Der diskutierte Standort an der Eishalle lässt zusätzliche Kosten für die Baugründung im Randgebiet der Ilm vermuten, die jetzt noch nicht absehbar sind. Außerdem befindet sich das Areal im Überschwemmungsgebiet der Ilm, was eine Genehmigung ohne weitere Investitionen fraglich erscheinen lässt. Die Weiterverwendung oder der Abriss der derzeitigen Schwimmhalle ist in den Kosten ebenfalls nicht enthalten. Außer einem Abriss gibt es derzeit keine anderen Nutzungsideen. Im Gegensatz dazu sind die Kosten für die Sanierung der Schwimmhalle „Am Stollen“ im Gutachten konkret belegt.

Norbert Zeike: „Man kann davon ausgehen, dass eine neue Schwimmhalle zwar aktuell „moderner“ wäre, aber beim gegebenen Budget vermutlich keine größere Wasserfläche, Raumnutzung oder andere Funktionen bieten wird als die vorhandene Halle. Dazu kommen die Unwägbarkeiten des Baugrundes an der Eishalle, bei dem eventuell der vorhandene Teich aufgefüllt werden muss oder eine teure Pfahlgründung nötig ist.

Vergleicht man vor diesem Hintergrund die Kosten beider Varianten, so ist ein schneller Neubau derzeit nicht zu rechtfertigen. Selbstverständlich spricht trotzdem nichts dagegen, so ein Projekt langfristig anzugehen – dann aber mit dem entsprechenden inhaltlichen und finanziellen Vorlauf.“

Daniel Schultheiß ergänzt: „Aus meiner Sicht ist es sehr bedenklich, wenn alleine auf Grundlage einer Studie, die sich mit der Sanierung der bestehenden Schwimmhalle beschäftigt, der unbedingte Neubau einer Schwimmhalle in der Innenstadt begründet wird. Ohne weitere Gutachten oder einen weiter geöffneten Fokus für mögliche Alternativen kann hier nicht im Ansatz eine Entscheidung gefällt werden. Auch wenn der Neubau in der Öffentlichkeit noch so oft betont wird. Andere Standorte außer dem an der Eishalle müssen zweifelsohne geprüft werden. Außerdem gibt es in der Bevölkerung sehr unterschiedliche Vorstellungen zu Anzahl und Länge der Bahnen. Mögliche Synergien am Standort des Freibands – das sicherlich auch in den nächsten Jahren einer Sanierung unterzogen werden muss – sollten nicht unterschätzt werden. Abschließend würde ich innovative Konzepte wie die (teilweise) Überdachung des Freibads, wie es beispielsweise die Stadt Delitzsch plant, auch nicht ausschließen. Durchaus darf auch über den Bauzeitraum geredet werden. Was spricht denn dagegen, noch fünf Jahre Rücklagen für einen Neubau aufzubauen und bis dahin die Halle am Stollen zu erhalten? Damit können wir die Darlehnsaufnahme für einen Neubau minimieren und finden womöglich einen Kompromiss zwischen den verschiedenen Meinungen im Stadtrat. Nach all diesen Abwägungen kann man anschließend zum Schluss kommen, in einen wie auch immer gearteten Neubau zu investieren oder die bestehende Halle zu sanieren.“

Zum Vergleich die aktuelle Haushaltssituation: Die grob geschätzten Kosten für die neue Schwimmhalle liegen bei 10 bis 12 Mio. Euro. Im Jahr 2014 hat die Stadt Ilmenau im Vermögenshaushalt ca. 9,5 Mio. Euro ausgegeben, diese Summen sinken in den kommenden Jahren. Darin sind aber bereits alle Investitionen in unserer Stadt, davon ein großer Teil jeweils für die Sanierung von Straßen, enthalten. In dieser Summe sind auch die Fördermittel enthalten, die zukünftig weniger werden. Aktuell ist es so, dass nach dem „Spaßbadboom“ in Thüringen keine Schwimmhallen mehr gefördert werden. Eine neue Schwimmhalle muss also über den Haushalt bzw. über neue Schulden finanziert werden.

Im größeren Kontext kommt dazu, dass die Stadt Ilmenau im Bereich der freiwilligen Aufgaben derzeit bereits einige schwierige Projekte hat:

  • Die Eishalle erfordert deutliche Zuschüsse; nicht zuletzt weil die Sommernutzung nach wie vor nicht funktioniert.
  • Die Festhalle soll nun endlich saniert werden. Allerdings gibt es aktuell weder ein inhaltliches Nutzungskonzept noch eine detaillierte Kostenplanung. Man kann davon ausgehen, dass hier in Zukunft auch größere Investitionen aus der Stadtkasse notwendig werden.
  • Kultur, Tourismus und das GoetheStadtMuseum können in Zukunft ebenfalls mehr Mittel erfordern – sowohl um die Beschäftigungsverhältnisse der Angestellten zu verbessern als auch um die Qualität zu erhalten. Das Freibad im Hammergrund wurde das letzte Mal 1997 saniert. Aus diesem Grund sind dafür in den nächsten Jahren ebenfalls weitere Mittel nötig.
  • Laufende Sanierungen im Straßenbau bedürfen im Regelfall jedes Jahr eines großen Anteils des Vermögenshaushalts.

Weiterhin besitzt Ilmenau nach wie vor kein langfristiges Kultur- und Sportkonzept. Im Rahmen des Bürgerhaushaltes für 2015 hat es die Stadtverwaltung erneut abgelehnt, ein solches zu erstellen. Dieser Mangel an Strategie erschwert es, große Investitionen wie die Schwimmhalle oder auch die Festhalle sinnvoll zu begründen und langfristig einzuordnen. Daniel Schultheiß fasst zusammen: „Vor diesem Hintergrund ist die Fraktion BBW der Meinung, dass ein seriöser, strategisch sinnvoller Umgang mit den Steuergeldern der Ilmenauer Bürger die wichtigste Grundlage für die Entscheidungen von Stadtrat und Stadtverwaltung sein muss. Einen überstürzten Neubau einer Schwimmhalle auf Basis der aktuellen Informationslage ohne weitere Prüfungen halten wir für überstürzt und können wir darum nicht unterstützen.“