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19.10.2019

Das GoetheStadtMuseum

...ist ein wichtiger Teil der Kultur in Ilmenau. Obwohl es einen reichhaltigen Fundus hat und in der Vergangeheit mit Ilmenauer und Gäste mit vielen interessanten Ausstellungen angelockt hat, ist seine Finanzierung nach wie vor schwierig.

Uns liegt die Zukunft des Mueseums natürlich am Herzen. Darum bringt unsere Stadträtin Hannelore Nastoll die folgenden Beschlussvorlage in den Stadtrat am 11. Dezember 2014 ein:

 

Beschlussvorlage für den Stadtrat am 11.12.2014

Einreicher : Kultur - und Sportausschuss (Autorin: H. Nastoll)

Beschlussvorlage

Der Stadtrat beschließt, die Personalstellen im GoetheStadtMuseum entsprechend den Anforderungen an ein modernes Museum mit seinen vielfältigen Aufgaben angemessen anzupassen und im Stellenplan als Teil der Haushaltssatzung ab dem Haushaltsjahr 2015 mit 2,5 Stellen statt bisher 1,8 zu berücksichtigen. Zur Deckung der dafür erforderlichen Mittel wird die Belastung der HHST 911 00 000 ; 976 000 (Tilgung von Krediten) empfohlen.

Begründung:

Nicht erst seit diesem Jahr ist die schwierige Personalsituation im GoetheStadtMuseum offensichtlich. Die Aufgaben der Mitarbeiterinnen wurden den Mitgliedern des Kulturausschusses in der Sitzung vom 8. Mai 2014 verdeutlicht. (siehe Sitzungsprotokoll)

Nach den Kriterien für Museen in Thüringen umfassen diese das Sammeln, Bewahren, Erforschen, Ausstellen und Vermitteln musealer Güter. Eine besondere Verpflichtung zur überdurchschnittlich guten Erfüllung dieser Aufgaben erwächst den Mitarbeiterinnen aus dem Alleinstellungscharakter des GoetheStadtMuseums im Rahmen der touristischen Erschließung der Stadt Ilmenau. Mit der derzeitigen Personalausstattung kann diese Verpflichtung jedoch nicht länger eingegangen werden.

Sammeln: Im November 2008 wurde das neu eingerichtete GoetheStadtMuseum eröffnet. Bis zu der Zeit wurde die Zahl der vorhandenen Objekte (Glas, Möbel, Teile der Porzellansammlung, Münzen usw.) auf ca. 10 000 geschätzt. Datensammlung, wie sie jetzt möglich ist und Inventarisierung nach wissenschaftlichen Kriterien konnten bis dahin nur teilweise realisiert werden. Dazu kamen in den letzten 5 Jahren im Rahmen von Schenkungen (500 Objekte), Ankäufen (ca. 280 Objekte) und Nachlässen zahlreiche wertvolle Museumsobjekte aus verschiedenen Bereichen hinzu. Der jetzige Museumsbestand liegt nach heutiger Einschätzung viel höher und wird auf ca. 17.000 Objekte geschätzt. Dies erfordert eine kontinuierliche Inventarisierung durch entsprechendes Fachpersonal. Beim derzeitigen Stand mit einer Volontärin dafür können maximal 1000 Objekte im Jahr bearbeitet werden. Das bedeutet, dies würde 17 Jahre dauern ohne dass Neuzugänge berücksichtigt werden können. Das Inventarisieren bildet die Grundlage aller anderen wissenschaftlichen Arbeiten im Museum wie Recherche zu Veröffentlichungen, Vorbereitung von Ausstellungen, Vermittlung des Wissens. Hierzu bedarf es dauerhaft einer Fachkraft.

Bewahren: Unser Museum bewahrt derzeit die unterschiedlichsten musealen Objekte in 11 Einrichtungen auf, die im ganzen Stadtgebiet verteilt sind. Hierbei ergibt sich eine weitere Problematik, da nicht in allen Depots die klimatischen Bedingungen (Temperatur und Luftfeuchtigkeit) den besonderen Anforderungen entsprechen. Die teilweise vorhandenen Geräte zur Messung des Klimas und zur Be- und Entfeuchtung der Räume können nicht kontinuierlich bedient und gewartet werden, da das Personal fehlt. Die konservatorischen Maßnahmen erfolgen sporadisch durch die Museumsleiterin, die Volontärin und die beiden geringfügig beschäftigten Mitarbeiterinnen, was durch die dezentralen Depots zusätzlich erschwert wird. Die Objekte im Glasdepot Festhalle und im Rathauskeller werden durch zu hohe Luftfeuchtigkeit dauerhaft geschädigt. Ergänzend muss noch die übermäßige Auslastung aller Magazine in den 11 Depots benannt werden. Ein zentrales Depot mit der Chance einer sachgerechten Aufbewahrung der wertvollen Kulturgüter könnte helfen.

Erforschen: Im Zusammenhang mit der schwierigen Situation des Inventarisierens ergibt sich daraus folgend eine erschwerte Forschungsarbeit, da wegen fehlender wissenschaftlicher Inventarisierung die Forschung meist bei Null anfangen muss. Das zeigt sich bei wichtigen Veröffentlichungen (Katalogen), Fachbeiträgen und Presseberichten, wobei es nicht ausreicht, die wenigen Bibliotheksbestände, die Registratur des Museums und das Buch „Beiträge zur Geschichte einer Stadt“ als einzige Möglichkeit zu nutzen. Ebenso wirkt die mangelnde Inventarisierung beim Vorbereiten von Sonderausstellungen (Auswahl der Objekte) wie ein Hindernis, weil viel mehr Zeit benötigt wird als notwendig wäre, da eine Vorauswahl mit Datenbank nicht möglich ist. Es kann nicht sein, dass die Museumsleiterin vorwiegend mit Verwaltungs- und Managementaufgaben beschäftigt ist und die Forschungsarbeit für das Erstellen von Katalogen teilweise zu Hause stattfindet. Eine der beiden geringfügig beschäftigten Mitarbeiterinnen, eine ausgebildete Kunstwissenschaftlerin, verantwortet die Öffentlichkeitsarbeit und den Leihverkehr und hätte so ihren Zeitfond so gut wie ausgelastet, jedoch übernimmt sie zusätzlich Inventarisierung , Beantwortung von Fachfragen oder Erstellen von Fachtexten, um den reibungslosen Museumsbetrieb zu gewährleisten. Desweiteren verfügt sie über gute paläografische Kenntnisse, die sie in die Lage versetzen, alte Schriftstücke zu transkribieren (übersetzen). Auch dabei kommt es zu Überstunden, die bei einem Arbeitszeitbudget von 80 Stunden monatlich kaum abgebaut werden können.

Ausstellen : Sichtbarster Ausdruck von Museumsarbeit ist das Ausstellen, wofür die drei erstgenannten Bereiche - das Sammeln, Bewahren und Erforschen - die Basis bilden. Ausstellungsorte sind: das GoetheStadtMuseum im Amtshaus, das Jagdhaus Gabelbach, die Bergmannskapelle, der Historische Münzkeller und die Ausgrabungsstätte „Alte Wasserburg“. Bislang können die drei letztgenannten Orte nur eingeschränkt geöffnet werden, zum Tag des Offenen Denkmals und zum Museumstag, die Wasserburg und die Bergmannskapelle noch im Rahmen von Stadtführungen.

Im Amtshaus kann bei einem Umfang von ca.17 000 Museumsobjekten nur ein Bruchteil gezeigt werden. Darum sind Sonderausstellungen zu kunst-, kultur- und wirtschaftsgeschichtlichen Themen unserer Stadt besonders wichtig. Seit 2009 finden sie zwei bis dreimal jährlich statt. Für das dafür benötigte Fachpersonal gab es von 2010 bis 2012 einen Werkvertrag für 20 Stunden pro Woche , für 2013 gab es keinen Werkvertrag, dafür die Eigeninitiative der Aussteller (Familie Müller-Bechstein und die Studenten der TU Ilmenau). Jedoch sind dies die Kernaufgaben des Museums. Diese Sonderausstellungen des GoetheStadtMuseums sind das wichtigste Medium zur Vermittlung der Stadt- und Regionalgeschichte und ermöglichten bislang , die Besucherzahlen annähernd auf dem gleichen Stand zu halten und das rege wiederkehrende Interesse bei Ilmenauern und Touristen zu wecken.

Vermitteln: In diesem Bereich weisen wir auf die Bildungsfunktion unseres Museums hin, der zweit wichtigsten Bildungseinrichtung unserer Stadt nach den Schulen. Das bedeutet für unsere Stadt, wir haben auch einen dementsprechenden Bildungsauftrag, der natürlich auch eine personelle Umsetzung erfordert.

Das Vermitteln erfolgt auf verschiedene Weise:

  • Didaktik in den Ausstellungen durch Text-Bild-Tafeln, Gruppen- und Objekttexte, qualitativ hochwertig gestaltete Medienstationen, die Audioguides in Deutsch und Englisch;

  • Kommunikation mit den Museumsbesuchern und Führungen durch gut geschultes Aufsichtspersonal und geschulte Honorarkräfte;

  • Museumspädagogik für Schüler mit dauerhaften Angeboten, z.B. „Schreiben wie zu Goethes Zeiten“ und „Schattenrisse selbst gemacht“ im Historischen Münzkeller, regelmäßige Konzerte im Amtshaus für Vorschulkinder , Waldpädagogik im und am Jagdhaus Gabelbach (meist als eine Projektwoche im Sommer),sowie Spezialführungen in der Bergmannskapelle und spezielle Schülerführungen zu Goethe.

Die Besucherresonanz im Jagdhaus Gabelbach in 2013 ist ein eindrucksvoller Beleg für den erhöhten Bedarf an Führungen , der derzeit nicht abgedeckt werden kann. Ein nicht zu vernachlässigender Teil des Vermittelns ist die Sicherheit in den Museumsräumen. Dies ist mit einer einzigen Person nicht zu gewährleisten. Ein kostenneutraler Antrag für ein Ökologisches Soiales Jahr wäre hierbei eine große Unterstützung u.a. auch für die museumspädagogischen Aufgaben in Zusammenarbeit mit dem Forstamt Frauenwald und der Fachrichtung Forstwirtschaft der FH Erfurt.

Veranstaltungen wie Vorträge zu Goethe-Themen, musikalisch-literarische Abende, Konzerte , drei bis viermal jährlich das Mittagsintermezzo zu stadtgeschichtlichen Themen, Programme zum Museumstag im Mai und zum Tag des Offenen Denkmals und vor allem die mehrmals im Jahr professionell gestalteten Sonderausstellungen bereichern das kulturelle Flair unserer Stadt auf hohem Niveau und zeugen vom hohen Engagement der Museumsmitarbeiterinnen.

Die für alle diese Bereiche notwendige Öffentlichkeitsarbeit soll das Angebot des GoetheStadtMuseums transparent machen, die Besucherzahlen steigern und die touristische Anziehungskraft unserer Stadt erhöhen. Das erfordert eine regelmäßige wöchentliche Zusammenarbeit mit der Leitung der Ilmenau -Information für eine optimale Vernetzung.

Unser GoetheStadtMuseum repräsentiert in sehr hoher Qualität die kultur-, kunst- und auch die wirtschaftshistorischen Schätze unserer Stadt und bedarf daher unserer vollen Unterstützung.